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Über Australien

Die Kultur der Ureinwohner

Die Kultur der Aborigines reicht ca. 45.000 Jahre zurück, ist die älteste noch existierende Kultur der Erde und besitzt die älteste kontinuierliche Kunsttradition der Welt. Man vermutet heute, dass die ersten Bewohner Australiens von Asien aus nach Australien gelangten und sich dann vom Norden aus über das ganze Land bis hin zum heutigen Tasmanien verbreiteten.
Von der Ankunft von James Cook auf dem neu gefundenen Kontinent und der ersten engeren Begegnung zwischen den südlichen und nördlichen Kulturen der Ureinwohner im Jahre 1770 mussten viele Jahre vergehen, ehe man den Ureinwohnern Australiens im Jahre 1967 das Wahlrecht zustand und sie als Australier in die Volkszählung mit aufgenommen wurden.

Durch den geringen Kontakt zur Außenwelt konnten sich ohne jegliche äußere Einflussnahme unendlich viele kulturelle Erscheinungsformen entwickeln, sei es in der Sprache (es gab über 200 gesprochene Sprachen ca. 500 Dialekte und sechsundzwanzig Sprachgruppen) in den sozialen Strukturen, Gesetzen der unterschiedlichen Sprachgruppen, Zeremonien und Religionen. Diese Vielfältigkeit und auch die komplexe soziale Struktur finden wir heute auch in den künstlerischen Aktivitäten, den unterschiedlichen Arbeitsweisen und ihren Ausdrucksformen wieder, (Bsp. Kreuzschraffur und Röntgenstil in Arnhemland, „dot-art“ in Zentralaustralien).

Trotz all dieser sprachlichen Unterschiede und sozialen Eigenständigkeit verband und verbindet die ersten Australier die Dreamtime (Schöpfungsgeschichte) und der Glaube an die Gesetze der Traumzeit, die durch die übermenschliche Intelligenz, dem Schöpfer Baiame, und anderen schöpferischen Ahnenwesen, wie z. B. der Regenbogenschlange, den Wagilag-Schwestern, der Tingari, den Wandjina's und den Mimis festgelegt wurden. Der Name des Schöpfers variiert in den unterschiedlichen Regionen von Bunjil, Join, Nurunderi u.s.w., aber ohne Ausnahme war es wohl diese erste Intelligenz, die den Aborigines die sozialen und religiösen Gesetze gab und die Initiationsriten festlegte. In der Dreamtime erschufen die übernatürlichen Ahnenwesen unseren Kosmos, die Ergebnisse der Traumzeit sind sichtbar in Form von Menschen, Tieren, Bergen, Pflanzen, Flüssen, Wasserlöchern, Himmel und Sternen, also der gesamten Natur. All das wurde den Menschen von den Schöpfungsahnen der Mythologie überlassen unter der Voraussetzung, dass die Erde betreut, erhalten und über festgelegte Rituale gepflegt wird. So ist die Dreamtime für die Ureinwohner nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch jetzt und in der Zukunft existent. Sie liefert die ideologischen Rahmenbedingungen und soziale Ordnung, in der der Mensch mit der Welt im Einklang leben kann. Der Mensch ist durch die Dreamtime in die Natur integriert, Bestandteil und ebenbürtig zu Tieren und Pflanzen. Zu diesen pflegen die Ureinwohner eine totemistische Beziehung. Der Mensch nimmt in der Kultur der Aborigines keine übergeordnete Rolle ein. Die Ureinwohner entnehmen der Erde nur das unmittelbar Nötige und so kann man die Lebensform der Aborigines als wahrhaft ökologisch sinnvoll bezeichnen.

Die Kunst ist immer ein elementarer Teil des Lebens der australischen Ureinwohner gewesen, eine Bildsprache, denn schriftliche Sprache gab es nicht.
Vor dem Einsatz von Leinwand und Acrylfarben fand sich die Kunst der Aborigines als Sandmosaik, Fels- und Rindenmalerei oder Körperbemalung wieder. Die Kunst war und ist für die Aborigines immer ein Ausdruck von Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde und seinen Ursprung in den großen Kreationsmythen der „Traumzeit“/ Dreamtime hat. So finden wir in einem Gemälde Auszüge aus dem Dreaming des jeweiligen Künstlers wieder, das ihm väterlicher-seits oder mütterlicherseits über viele Ahnen hinweg vermittelt wurde, als auch die spirituelle Verbindung mit seinem Land und seinen Ahnen. Deshalb ist der Symbolgehalt eines Gemäldes ist immerfort präsent und lässt für uns keine persönliche Interpretierung zu. Durch die Verwendung der von den Ahnen ererbten Geschichten und Darstellungsweisen macht der ausführende Künstler auch seine Identifikation geltend. So erklärt sich auch von ganz allein, warum niemandem, außer dem Künstler selbst gestattet ist, das Gemälde zu interpretieren, denn es ist seine Geschichte seine Herkunft und sein rituelles Wissen.
In der Gesellschaft der Ureinwohner ist Besitz in Bezug auf Wissen sehr wichtig, denn Ansehen gewinnt man nicht durch materielle Werte sondern nur über Wissen. Darstellungen und Designs auf Kunstgegenständen, Geschichten, Gesänge, Tänze - alle diese Formen des künstlerischen Ausdruckes sind Eigentum in der Gesellschaft der Ureinwohner. Normalerweise haben die Menschen, die einer bestimmten Gegend und einer bestimmten Sprachgruppe zugehören, die Rechte zu allen Geschichten, die mit ihrem Land verbunden sind. Ihnen ist es als einzigen erlaubt, diese Geschichten zu erklären oder diese Geschichten in jedem künstlerischen Medium oder im Ritual bildlich darzustellen.

Anerkennung der Kunst der ersten Australier

Albert Namatjira (1902-1959) ist einer von Australiens bekanntesten eingeborenen Künstlern. Er war der erste eingeborene Maler, der internationale Anerkennung für seine Kunst gewann. Der Künstler mit westlich geprägtem Stil verlebte einen Großteil seiner Jugend in der lutherischen Mission Hermannsburg, die ungefähr 130 Kilometer westlich von Alice Springs liegt im Bundesstaat Northern Territory liegt. Der nicht indigene Künstler Rex Batterbee führte Albert Namatjira an die Anwendung von Wasserfarben und einen europäischen Malstil heran.

Die Landschaftsgemälde Namatjiras sind geprägt von Eindrücken seines traditionellen Landes der West Aranda’s in Zentralaustralien. Im Jahre 1957 wurde Namatjira, als erstem Ureinwohner die australische Staatsbürgerschaft bewilligt wurde. Während er 1959 desillusioniert mit der weißen Gesellschaft im Alter von 57 Jahren starb, hat Namatjira unendlich viel unternommen, um die vorherrschende negative Ansicht der Ureinwohner zu der Zeit zu ändern. Er bereitete auch den Weg für die Kunstbewegung in Papunya, die eine Dekade nach seinem Tod auftauchte und damit wohl den Beginn der wohl bedeutendsten Kunstbewegung der australischen Geschichte markierte. Papunya liegt ca. 230 Kilometer entfernt von Alice Springs und war die letzte Gemeinde, die von der Regierung unter dem Assimilierungsakt etabliert wurde. Begonnen hat diese Kunstbewegung 1971 in Papunya mit der Initiative vom damaligen an der Schule tätigen Kunstlehrer - Geoff Bardon, der ein Wandbild an der Schule von einer Gruppe älterer Aborigines Männer entstehen ließ.
Bardon regte die Künstler an, ihre Designs mit Pinsel und Acrylfarben auf Hartfaserplatte und Leinwand zu malen. Diese Gruppe wurde als Künstlergruppe Papunya Tula bekannt. Sie entwickelten ihre eigene Kunst und schufen Werke von hoher Qualität. Die Gemälde dominierten mit ihren traditionellen Designs, die mit westlichen Materialien ausgeführt wurden.
(Quelle: http://www.acn.net.au/articles/indigenousart/ )

Durch den Einsatz von westlichen Materialien, konnte die Kunst nun in die ganze Welt hinausgetragen werden. Mittels der Kunst war es den Aborigines möglich, nach all den Jahren der Assimilationspolitik in Australien auf Ihre Kultur, Ihre Identität und ihr traditionelles Erbe aufmerksam zu machen. Gleichermaßen entstand durch den Verkauf der Gemälde und Objekte die Möglichkeit unabhängigen von der staatlichen Unterstützung ein Einkommen zu erzielen.

Durch die Initiative und den Erfolg von Papunya Tula entstanden viele Künstlergemeinden, die die Arbeit auf Leinwand mit Acrylfarben aufnahmen. Dieses völlig neue Medium und die Palette der Farben ermöglichte völlig neue Ausdrucksformen, wobei traditionelle Elemente mit neuen innovativen verknüpft werden.
Die Vielfalt der Kunst können wir visuell in den unterschiedlichen Arbeitsweisen und Stilen wieder finden. Heute wird die Kunst nach der Region bezeichnet, aus der die die Kunst bzw. der Künstler entstammt, wie z.B. Balgo-Art, Desert Art, Utopia Art, Arnhemland Art, Tiwi Art oder Urban Art um nur einige zu nennen.

Durch die Einführung neuer Techniken und Materialien wie Leinwand und Acrylfarben sind völlig neue Gestaltungsweisen entstanden, die die bestehenden oft eher ergänzen als ersetzen. Einige der Künstler haben zu einem sehr freien Stil und einer losgelösten Form der Darstellung gefunden.

Zu Beginn der Aboriginal Art Bewegung, waren es eigentlich die Männer, die mit ihren Arbeiten auf sich aufmerksam machten. Jetzt sind es die Frauen, die aufholen, und mit ihren innovativen und dominanten Positionen richtungweisend sind.
Bis zum Jahr 1990 wurde kein Aboriginal Art Gemälde für mehr als 10.000 AUD verkauft und es war Emily Kngwarreye, die die Schallmauer durchbrach und mit ihren Werken alle Verkaufspreise übertraf.

Robert Hughes, Kunstkritiker und Schriftsteller hat Australische Aboriginal Kunst als „die letzte große Kunstbewegung der Welt“ bezeichnet.

Heute genießen die Arbeiten der ersten Australier Anerkennung auf der ganzen Welt und sind längst zum Sammlergegenstand und Investitionsobjekt geworden.

In den vergangenen Jahren hat die Kunst der ersten Australier einen unglaubliche
Wachstumsrate erfahren. 2004 wurde Aboriginal Art mit einem Wert von über 12 Mio AUD in Auktionen verkauft, das sind sechs Mal so viel, wie noch in 1997.

Aboriginal Art macht mittlerweile 70 % des Gesamtumsatzes vom Export von Australischer Kunst aus.

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